Gestern Abend sagt meine Frau zu mir: „Du hast dir das effizienteste System gebaut, das ich kenne.
Sogar deine E-Mails bekommen jetzt automatisch Entwürfe.
Und trotzdem arbeitest du mehr als früher.
Was läuft da falsch?“
Meine Antwort war kurz: „Ja, du hast recht.“
Offen gesagt macht mir diese Arbeit unglaublich viel Spaß. Ich sitze heute mit tollen Menschen und sogar einigen CEOs auf Augenhöhe im Coaching. Darf Teams dabei begleiten, die gerade zu neuen Ufern aufbrechen, und stehe manchmal auch auf Bühnen. Inspiration und Begeisterungsfähigkeit gehören zu meinem VIA-Stärkenprofil.
Mit KI geht dabei alles schneller:
Kaum ist der Workshop vorbei, stehen Präsentation und Follow-up schon. Ich erlebe die Veränderung mittendrin und nicht von der Seitenlinie aus.
Und genau hier liegt die Falle.
Von der Idee bis zur Umsetzung brauche ich heute so wenig Zeit wie ein Rennwagen von null auf hundert. Also setze ich die nächste Idee auch gleich um, und die übernächste gleich mit. Das Handy ist immer griffbereit, Claude ist offen, und was mir unterwegs einfällt, spreche ich sofort ein.
Echte Ruhe gibt es kaum noch.
Manchmal frage ich mich, ob wir gerade eine große Menge an Software bauen, die am Ende niemand braucht, einfach weil es so schnell geht.
Bill Gates und Warren Buffett sollen einmal, nach dem wichtigsten Faktor für ihren Erfolg gefragt, beide dasselbe Wort genannt haben: Fokus.
Ich gebe es offen zu. Mir fehlt etwas.
Sten Nadolny hat das in seinem Buch „Die Entdeckung der Langsamkeit“ so schön beschrieben. Und genau diese Langsamkeit fehlt (außer heute bei der Deutschen Bahn 😄).
Was mir hilft: Wenn der Impuls kommt, sofort loszulegen, nenne ich ihn innerlich beim Namen: Da isser, dein „Beeil-dich-Moment“.
Ich atme einmal lang aus und frage mich dann, ob das gerade ein Reflex ist oder eine Entscheidung. Meistens darf die Idee warten. Eine gute Idee ist morgen auch noch gut.
Fehlerfrei klappt das nicht.
Jeder gefangene Moment zählt trotzdem, auch ein zu spät gefangener.

Diesen Newsletter habe ich im Zug nach Essen geschrieben, unter Zeitdruck, weil Dienstag nun mal Newsletter-Tag ist. Beeil-dich-Moment, live gefangen. Rausgeschickt habe ich ihn trotzdem. Mit dem Fokus bin ich eben noch in Übung.
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Dieser Artikel ist zuerst am 27.10.2026 als Newsletter erschienen. Wenige Tage später wird er automatisch als Blogartikel veröffentlicht.


