Auf meinen letzten LinkedIn Post zu Claude wurde mir immer wieder eine Frage gestellt: Welches KI-System nehmen wir denn jetzt?
Seit Februar habe ich 30 Claude-Trainings gegeben, über 350 Teilnehmer aus 20 Unternehmen. Fast jedes dieser Häuser hat Microsoft im Einsatz, einige testen Gemini, ein paar sitzen auf Langdock.
Die Frage nach dem besten System steht in jedem zweiten Raum.
Meine Antwort fällt selten so aus, wie die Fragenden sie erwarten.
Die Reihenfolge stimmt bei den meisten nicht
Fast alle entscheiden zuerst über den Anbieter und danach über die Arbeitsweise. Das ist der teure Weg. In den ersten Wochen macht kein System die Arbeit schneller. Es macht die Ablage sichtbar.
Wer über Jahre Wissen in PowerPoints, verschachtelten Ordnern und Mailanhängen abgelegt hat, merkt das im ersten Prompt.
Das Modell antwortet freundlich und falsch, weil die Quelle Müll ist. Wer dagegen Unternehmensvorgaben, Textbausteine und Designregeln sauber hinterlegt hat, bekommt Word-Dokumente und Präsentationen aus einer Hand.
Der Anbieter ändert daran wenig.
Copilot zieht aus SharePoint und Teams, Gemini aus Drive, Claude aus dem, was ihr aktiv hochladet oder verbindet, Langdock aus dem, was ihr in die Plattform legt.
Vier Wege in dieselbe Sackgasse, wenn die Quelle nicht taugt.
Drei Fragen, die vor der Systemfrage kommen: Wo liegt das Wissen, das eure Leute täglich brauchen, und findet ein Fremder es in zwei Minuten? Wer pflegt diese Ablage, mit welchem Zeitbudget? Und welches Format hat sie, wenn eine Maschine sie lesen soll?
Vier Wege, und für wen sie taugen
Microsoft 365 Copilot ist die richtige Wahl für Häuser, die ohnehin komplett auf Microsoft 365 laufen. Der Assistent sitzt in Word, Excel, Outlook und Teams, Rechte und Protokolle kommen aus dem Stack, den eure IT schon betreibt. Das ist der geringste organisatorische Widerstand, den es gibt. Der Preis dafür: Copilot Business liegt aktuell bei 18 Dollar pro Nutzer und Monat für Häuser bis 300 Nutzer, die Enterprise-Stufe bei 30 Dollar, jeweils zusätzlich zu einer Microsoft-365-Lizenz, deren Grundpreise Microsoft zum 1. Juli 2026 angehoben hat. Und die Qualität hängt direkt daran, wie gepflegt SharePoint und Teams sind.
Google Gemini ist für Workspace-Häuser, Startups und Agenturen die naheliegende Antwort. Google hat die separaten KI-Zusätze 2025 abgeschafft und Gemini in die Workspace-Pläne gelegt, es kommt also ohne zweiten Vertrag mit. Günstiger startet niemand. Außerhalb der Google-Welt sieht das System wenig, und die volle Enterprise-Ausbaustufe kostet ein Vielfaches des Bundles.
Claude Enterprise ist die Wahl für Teams, die viel schreiben, analysieren, recherchieren oder entwickeln. Lange Dokumente am Stück, eigene Projekte, eigene Skills. Anthropic hat den Platzpreis 2026 von der Nutzung entkoppelt: rund 20 Dollar pro Platz im Jahresvertrag, ab 20 Plätzen, die Nutzung wird getrennt abgerechnet. Das macht die Rechnung ehrlicher und schwerer planbar. Cowork ist seit April 2026 aus der Vorschau raus und liegt auf allen bezahlten Plänen.
Langdock ist für den deutschen Mittelstand gebaut, bei dem Datenschutz das erste Kriterium ist und nicht das dritte. Server in Frankfurt, ISO 27001, über 40 Modelle unter einer Oberfläche, ein Vertrag für alles. Der Business-Plan startet bei 20 Euro pro Nutzer und Monat. Der Preis dafür ist eine Zwischenschicht: Neuerungen der Modelle kommen dort später an als beim Hersteller selbst.
Für Selbstständige und kleine Teams gilt eine einfachere Regel.
Nehmt das System, das in eurer bestehenden Umgebung sitzt, und investiert die gesparte Entscheidungszeit in die Ablage. Ein zweites Werkzeug lohnt sich erst, wenn ein konkreter Arbeitsschritt daran hängt, der ohne dieses Werkzeug nicht geht.

Ist Claude im Unternehmen angekommen?
Ja, mit einer Einschränkung.
Die Marktzahlen sind eindeutig. Menlo Ventures beziffert Anthropics Anteil an den Unternehmensausgaben für LLM-Schnittstellen auf 40 Prozent, OpenAI liegt bei 27 Prozent.
2023 waren es bei Anthropic 12 Prozent. Anthropic hat 2026 nachgezogen, was Konzern-IT verlangt: Rollenrechte, Ausgabenlimits, Admin-Analysen, DLP-Durchsetzung über Chat, Code und Cowork hinweg.
In meinen Trainings sehe ich dasselbe Bild von unten.
Startups fahren Claude zusammen mit Notion und den Konnektoren. Größere Häuser testen Enterprise über die IT.
Die Entscheidung fällt inzwischen für eine Umgebung, nicht mehr für einen Chatbot.
Die Einschränkung: In den meisten Häusern läuft das parallel zu Microsoft, und das bleibt eine Weile so.
Kaum jemand wirft Copilot raus, weil Claude kommt.
Die Systeme teilen sich die Arbeit, meist entlang der Frage, wer welche Art von Text produziert. Dazu kommt eine echte Lücke. Bilder kann Claude weiterhin nicht. Interaktive Grafiken und Vektoren sind stark, ersetzen aber kein Foto in einer Kundenpräsentation. Der Zwischenschritt über ChatGPT für Bilder, Canva oder PowerPoint bleibt.
Was ich Häusern rate, die gerade migrieren
Entscheidet die Umgebung nach eurer Datenlage, nicht nach dem Benchmark des Monats. Wo eure Dokumente heute liegen, ist die stärkste Vorentscheidung, die ihr schon getroffen habt, ohne sie zu treffen.
Legt dann ein Team auf zwei Systeme, nicht die ganze Belegschaft.
Zwei Umgebungen parallel für zwölf Wochen kosten weniger als eine Fehlentscheidung, die drei Jahre bindet.
Und baut Skills, bevor ihr Lizenzen zählt. Nicht das Modell entscheidet, sondern das, was ihr euch selbst baut und wiederverwendbar macht. Ein sauber beschriebener Arbeitsschritt, den fünfzig Leute nutzen, schlägt jedes Modellupdate.
Nach über 350 trainierten Menschen in 2026 bleibt derselbe Satz stehen wie am ersten Tag.
Vorbereitung ist alles. KI ist so gut wie der Kontext, den ihr ihr gebt.
Schreib mir, woran es bei euch klemmt: an der Datenstruktur oder an den Menschen, die sie pflegen sollen. Ich sammle die Antworten und nehme sie in die nächste Ausgabe.
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Dieser Artikel ist zuerst am 11.08.2026 als Newsletter erschienen. Wenige Tage später wird er automatisch als Blogartikel veröffentlicht.


