Warum ich inzwischen immer bei den Ordnern anfange.
„Wir sind zu verkopft“, so fing heute ein Gespräch an, und der Satz kam nicht von mir.
Er kam von jemandem, der ein Sales- und KI-Projekt verantwortet, das seit Monaten geplant wird. Je größer das Unternehmen, desto größer die Planung.
Am Ende weiß niemand mehr genau, was davon eigentlich wichtig war.
Ich fange deshalb inzwischen immer an derselben Stelle an. Bei den Daten.
Der Grund ist unspektakulär.
Ein PDF, das seit fünf Jahren niemand angefasst hat, bekommt im KI-Assistenten eine bessere Stimme. Der Inhalt bleibt der von 2021. Und wenn sich zwei Dokumente widersprechen, erkennt das Modell nicht, welches gilt. Es nimmt beide und baut daraus eine sehr überzeugende Antwort. Danach beschweren sich alle über das schlechte Ergebnis und meinen damit die KI.
Drei Fragen, bevor irgendetwas angebunden wird
Zusammenhang. Zu welchem Produkt gehört eine Information, in welcher Version, wer ist zuständig? Die Menschen verstehen das, weil wir den Kontext kennen, aber die KI sieht das nicht. Also muss es daneben stehen: eindeutige Namen und klare Ablageorte.
Hierarchie. Im Unternehmen liegen mehrere Wahrheiten nebeneinander: das Handbuch, die alte Präsentation, das Protokoll, die Notiz im Chat. Verbindlich ist davon genau eine. Welche das ist, das ist deine Aufgabe.
Ablaufdatum. Wie lange gilt eine Information, wann wird sie nachgeprüft?
Dazu die Regel, die vor jeder Anbindung gilt. Die KI liefert niemandem mehr, als er ohnehin sehen dürfte. Rechte und Rollen gehören in die Datenstruktur, von Anfang an.
Und nein, du machst das nicht von Hand
Genau hier kippen die meisten ins Verkopfte. Sie hören „Datenstruktur“ und sehen ein halbes Jahr Projekt vor sich. Das Aufräumen selbst ist inzwischen Arbeit für die Werkzeuge, die ihr sowieso schon bezahlt.
Nimm einen Ordner, nicht das ganze Laufwerk.
Lass dir zuerst eine Inventur ausgeben, was drin ist, wie alt es ist, wo sich etwas widerspricht. Wandle das Brauchbare in Markdown Dateien um, weil ein Modell reinen Text mit klaren Überschriften sauberer liest als ein Layout-PDF.
Gib jeder Datei einen sprechenden Namen und eine Ordner Logik, die auch ein neuer Kollege versteht. Am Ende eine Index-Datei, in der steht, was gilt und wer es freigegeben hat.
Claude Cowork arbeitet dafür direkt auf deinen Ordnern. Copilot und ChatGPT können das ebenfalls, sobald sie an eure Ablage dürfen.
Für den einen Ordner, den ihr diese Woche mehrfach geöffnet habt, ist das ein Nachmittag.

Warum das der eigentliche Vorteil ist
Aus dem KI-Projekt wird damit zuerst ein Datenprojekt.
Das Modell kann jeder Wettbewerber einkaufen, morgen früh, mit zwei Klicks.
Einen aktuellen, geprüften Wissensbestand kann niemand kopieren.
Und noch etwas fällt mir dabei auf.
KI macht ein Organisationsproblem sichtbar, das älter ist als jedes Sprachmodell. Viele Unternehmen haben Daten und haben nie entschieden, was davon Wissen ist.
Von 1 bis 10, wie gut ist euer Wissensmanagement?
Antworte mir mit der Zahl und einem Satz dazu, woran du sie festmachst.
Ich lese jede Antwort selbst.
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Dieser Artikel ist zuerst am 02.09.2026 als Newsletter erschienen. Wenige Tage später wird er automatisch als Blogartikel veröffentlicht.


