Letzte Woche im Workshop,
zweite Hälfte, kurz nach der Pause.
Christian, 26, seit acht Monaten im Vertrieb, legt eine Analyse vor, die aussieht wie von einem Senior.
Sauber gebaut, mit KI.
Ich frage nur: „Und warum empfiehlst du dem Kunden jetzt genau das?“
Stille.
Die Analyse war fertig.
Das Urteil dahinter war nie gelernt worden.
Das ist kein Einzelfall, und es ist nicht die Schuld von Christian.
Früher hat man sich an Routinen hochgearbeitet.
Recherche, erste Entwürfe, der ganze Kleinkram. Genau daran ist Urteilsvermögen gewachsen, über Monate, fast nebenbei.
Diese Routine macht jetzt die KI.
Der Nachwuchs landet ohne Umweg im komplizierten Teil.
Das PwC-AI-Jobs-Barometer 2026 hat über eine Milliarde Stellenanzeigen ausgewertet und belegt genau das in Zahlen.

KI-nahe Einstiegsrollen verlangen 7-mal häufiger seniorige Fähigkeiten wie Führung und strategisches Denken als Einstiegsrollen ohne KI-Bezug.
Und die Aufgaben, die neu dazukommen, stützen sich 2,5-mal häufiger auf Empathie, Urteilsvermögen und Kreativität.
Die Leiter wird kürzer.
Und die Sprossen, die bleiben, sind ausgerechnet die schwersten.
Der naheliegende Reflex ist, noch ein KI-Tool-Training draufzusetzen. Das löst es nicht. Eine Tool-Bedienung sitzt in einer Woche.
Urteilsvermögen wächst nicht in einem Kurs am Freitagnachmittag, und von allein wächst es jetzt auch nicht mehr.
Was früher die Routine nebenbei erledigt hat, braucht jetzt einen festen Rhythmus.
Dafür steht KAIzen oder das Toyota-Prinzip:
kleine, wiederholte Schritte im echten Arbeitsalltag, mit KI zusammengedacht.
Über solche Wiederholungen wächst Urteilsvermögen wieder, so wie es früher über Monate gewachsen ist, diesmal bewusst angelegt.
Aus Kurs wird Kultur.
Und genau das ist die Ausbildung für Zukunftsfähigkeit, die der Nachwuchs jetzt braucht.
Eine Frage an dich:
Wo in deinem Team beherrscht jemand schon das Werkzeug, aber das Urteil dahinter noch nicht?
Antworte mir einfach auf diese Mail. Ich lese jede Antwort selbst.
Dieser Artikel ist zuerst am 23.06.2026 als Newsletter erschienen. Wenige Tage später wird er automatisch als Blogartikel veröffentlicht.
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