Mit 20 lernte ich Verlagskaufmann.
Beim Münchner Merkur.
Ich saß im Vertrieb, in der Anzeigenabteilung und in der Buchhaltung.
Manchmal sogar am Samstag. Da saß ich als Azubi allein im Verlag und sprach mit Abonnenten. Denen, die ihre Zeitung nicht bekommen hatten. Manche verärgert, manche drohend, wegen eines Blatts, das morgens nicht im Briefkasten lag.
Da habe ich Leserbindung zum ersten Mal gespürt. Am Telefon. An der Stimme eines Menschen, der seinen Samstagvormittag opferte, um sich über eine fehlende Zeitung zu beschweren.
Ich durfte Teil dieser Medienwelt sein, und sie hat mich nie mehr losgelassen.
Über 35 Jahre Vermarktung später bin ich ihr immer noch verbunden.
Sechzig Prozent meiner Trainings sind Medienunternehmen. Lokale Helden wie die Main-Post, Merkur TZ Media, OVB Media, Lübecker Nachrichten oder der Landwirtschaftsverlag.
Und jetzt mit einem neuen Thema, GEO (GAIO) Generative Engine Optimization, also Sichtbarkeit in den KI-Systemen.
Sobald ich in einem Verlag stehe, fühle ich mich sofort zu Hause.
Eine Frage treibt mich dabei wirklich um.
Wie weit dürfen wir der KI in journalistischen Medien Raum geben?
Vielleicht ist das gar keine Frage über Journalismus.
Sondern eine Frage über unseren Stand auf der Innovationskurve von Gartner. Eine Entwicklung, die wir bei jeder Neueinführung einer Technologie sehen.
Nach dem Gipfel der überzogenen Erwartungen kommt fast immer das Tal der Enttäuschungen.
Und wir stecken gerade im Tal der Tränen und sehen nicht, dass dieselbe Technologie bald das Plateau der Produktivität erreicht.

Diese Woche bekam ich für beide Antworten ein Beispiel.
Aus derselben Branche.
Beim Spiegel hat die Redaktion zwei Stunden über ein einziges Wort gestritten, über „maßgeblich“, und danach hat Chefredakteur Dirk Kurbjuweit KI aus dem Schreiben verbannt.
Der Spiegel soll ein Medium von Menschen für Menschen bleiben.
Bei Ippen lässt Markus Knall, verantwortlich für rund 70 Portale, Artikel komplett von der KI schreiben. Ohne menschliche Endkontrolle.
Zwei Häuser, dieselbe Woche, entgegengesetzte Richtung.
Das sieht aus wie ein Streit über KI, ist aber ein Streit über die Position auf der Kurve.
Roy Amara hat es vor Jahrzehnten beschrieben.
„Wir überschätzen eine Technologie kurzfristig und unterschätzen sie langfristig. Im Tal dazwischen überdrehen beide Seiten. Die einen automatisieren die Urteilsschicht weg. Die anderen warten, bis der Spuk vorbei ist.“
Rauskommen werden die, die den Sprung üben.
Knall nennt es selbst: vom Schreiber zum Komponisten.
Das ist eine Fähigkeit, und Fähigkeiten entstehen in kleinen Schritten, eingebaut in die tägliche Arbeit. Nicht an einem Aktionstag mit Tool-Log-in, nach dem alle zur Tagesordnung übergehen.
Dieser Streit läuft gerade in Redaktionen, aber genauso in Kanzleien, Vertrieben und Verwaltungen.
Überall dieselbe Frage.
Alles der Maschine überlassen oder die Maschine aussperren.
Beides ist eine Ausweichbewegung.
Die dritte Möglichkeit ist Arbeit.
Sie hat drei Schichten. Klarheit im Denken, damit die Maschine das Richtige bekommt. Resonanz im Umgang mit Menschen, die keine Maschine übernimmt. Resultate aus der Technik, ohne das Urteil abzugeben.
Daran arbeiten wir mit Upgrade Partners, und der Unterschied liegt nicht im Tool, sondern darin, ob aus einem Workshop eine Gewohnheit wird und aus der Gewohnheit Kultur.
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Dieser Artikel ist zuerst am 07.07.2026 als Newsletter erschienen. Wenige Tage später wird er automatisch als Blogartikel veröffentlicht.


